Gläser

Aus den Elementen Feuer und Erde geboren, gehört Glas zu den ältesten Werkstoffen überhaupt, derer sich die Menschheit bedient. Zählt man die Nutzung natürlich vorkommender Gläser wie Obsidian als Messer oder Pfeilspitzen dazu, begleitet uns ... Weiterlesen

Ratgeber

Hochwertige Gläser. Transparente Eleganz auf jeder Tafel

Aus den Elementen Feuer und Erde geboren, gehört Glas zu den ältesten Werkstoffen überhaupt, derer sich die Menschheit bedient. Zählt man die Nutzung natürlich vorkommender Gläser wie Obsidian als Messer oder Pfeilspitzen dazu, begleitet uns das Material schon seit dem Neolithikum vor rund 7.000 Jahren – lange bevor der Mensch selbst die Kunst des Glasmachens erlernt hat. Ob als Fenster, Spiegel, Karaffen, Schalen, Becher oder Linsen – ohne diese vielseitige Substanz, die durch Ästhetik und Funktionalität besticht, wäre unser alltägliches Leben ein ganz anderes. Ohne Glas gäbe es keine Schutzimpfung und das Elektron wäre nie entdeckt worden. Und niemand hätte bis heute den vollen Genuss eines edlen Weins erfahren können.

Trotzdem bleibt sein Verhalten für uns bis heute geheimnisvoll: Es hat keinen Schmelzpunkt wie etwa Wasser, sondern wird bei steigenden Temperaturen ab etwa 600 °C lediglich immer weicher und formbarer – Glas transformiert. Je nach Rezeptur erscheint es erst zwischen 1.000 °C und 1.600 °C als flüssig. Manche Wissenschaftler sehen in Glas darum auch gar keinen Feststoff, sondern bezeichnen es als „unterkühlte Flüssigkeit“, deren Atome auch in festem Zustand keine geordnete kristalline Struktur ausbilden.

Kurz: Glas ist ein sehr faszinierendes Material, mit dem es sich zu beschäftigen lohnt – auch mit Blick auf die passende Ausstattung einer schön gedeckten Tafel. In unserem Sortiment finden Sie eine wohlüberlegte Auswahl an geschichtsträchtigen und alltagstauglichen Gläsern, die sowohl durch ihre hohe Qualität als auch durch ihr Design bestechen. Ob mundgeblasen, labortauglich oder mit einem Hauch französischem Charme versehen – perfekt an Ihren jeweiligen Wunsch angepasst, werden sie Ihnen lange gute Dienste leisten.

Glasgeschichte(n). Eine Ära beginnt.

Wahrscheinlich geschah die Entdeckung der künstlichen Glasherstellung ganz zufällig beim Brennen von Töpferwaren. Das absichtslos zusammengeschmolzene Material aus Sand und Gestein lag irgendwo im vorderen Orient in der übrig gebliebenen Asche und inspirierte zur Nachahmung. Einmal entdeckt, war das schimmernde, edelsteinähnliche Glas der perfekte Werkstoff für die Gefäße der herrschenden Klasse, denn Herstellung und Verarbeitung waren kostspielig. Der älteste bisher gefundene Glaskelch der Welt gehörte dem ägyptischen Pharao Thutmosis III. Er benutzte das hellblau verzierte Gefäß aus weißgrauem Glas vor etwa 3.500 Jahren. Damals wickelten die Glaser noch stückweise erweichte Glasstäbchen um einen Kern, den sie anschließend entfernen konnten. Knapp 800 Jahre später überlieferte der assyrische König Assurbanipal der Nachwelt dann das erste Glasrezept: „Nimm 60 Teile Sand, 180 Teile Asche aus Meerespflanzen, 5 Teile Kreide – und Du erhältst Glas.“ Der gläserne Siegeszug hatte begonnen.

Glasmacherpfeife und Schmelzofen. Die Revolution der Glasfertigung.
Es muss irgendwann zwischen 200 und 100 vor Christus gewesen sein, da hatte ein syrischer Glasmacher eine zündende Idee. Er versah ein über ein Meter langes Rohr an einem Ende mit einem hitzeisolierten Mundstück und nahm mit der anderen Seite das geschmolzene Glas auf, um es zu bearbeiten – die erste Glasmacherpfeife war geboren. Das Gerät war eine technische Revolution, denn es ermöglichte erstmals die Herstellung geblasener, dünnwandiger Formen. Entzückt von einer solchen Erfindung, verbreiteten die Römer sie in ihrem ganzen riesigen Reich. Zusammen mit regulierbaren Schmelzöfen, die eine gleichbleibend gute Glasqualität garantierten, entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten eine Glasmacherkunst, die prachtvolle und extravagante Gefäße hervorbrachte.

Doch mit der beginnenden Völkerwanderung und dem Ende des römischen Reichs ging ein großer Teil dieses technischen Wissens wieder verloren. Die sich erhebende christliche Welt sah in dem glänzenden, glatten Material ein „heidnisches Teufelswerk“ und Papst Leo IV. verbot um 850 sogar die Verwendung von Glasgefäßen in Gottesdiensten. Ironischerweise waren es die christlichen Klöster, die einige Zeit später wieder mit der Glasproduktion begannen. Für die dort hergestellten Spirituosen war Glas, ob nun teuflisch oder nicht, einfach eine der besten Verpackungen, die es gab.

Von Spionen und gläsernen Wäldern.
Mit seinem begehrten „cristallo“ entwickelte sich Venedig ab dem 11. Jahrhundert zum Zentrum der europäischen Glasmacherkunst. Die Glasmacher verwendeten einen speziellen weißen Sand von hoher Reinheit. Das daraus entstehende Glas hatte einen unnachahmlichen Glanz und zeichnete sich durch seine absolute Farblosigkeit aus. Die geheimen Rezepturen hütete man aus Angst vor Spionage sorgsam auf der Insel Murano – Verrätern drohte die Todesstrafe. Aber wie so oft in der Geschichte gab es auch hier ein paar geschäftstüchtige Gestalten, die sich von derartigen Drohungen unbeeindruckt zeigten. Und so schaffte es die venezianische Glaskunst, vermutlich mithilfe einiger abtrünniger Glasmacher, die Alpen Richtung Mitteleuropa zu überqueren.

Nördlich der Gebirgskette dominierten ab dem Hochmittelalter die Waldglashütten mit ihren typischen grünlich gefärbten Gläsern die Glasproduktion. Der Sitz im Gehölz war praktisch – der benötigte Brennstoff für die Schmelzöfen stand direkt vor der Tür. Die Glasmacher lebten nach dem Nomadenprinzip: War der Wald um sie herum abgeholzt, zogen sie weiter und bauten ihre Glashütten woanders wieder auf. Ohne es zu bezwecken, leisteten sie durch ihre Rodungen einen wichtigen Beitrag zur Besiedelung ganzer Landstriche. Erst die beginnende Industrialisierung leitete im 18. Jahrhundert langsam das Ende der wandernden Glasmacher ein. Immer komplexer werdende Maschinen zwangen sie dazu, sesshaft zu werden. Die ersten automatisch gefertigten Gläser und Flaschen stellten die Weichen für die heutige Glasproduktion.

Gläser und ihre Spielarten. Helfer mit gewissen Vorzügen.

Seit den Ursprüngen der Glasherstellung hat sich einiges getan. Neue Rezepturen führten zu neuen Glassorten, deren Substanzeigenschaften ganz spezifisch an den Verwendungszweck angepasst werden konnten. Glas wird nicht mehr nur geblasen, sondern auch gezogen, gewalzt, gepresst, gefärbt, beschichtet, bedruckt, geschliffen, gebohrt, facettiert, mattiert oder getempert. Wie kaum ein anderes Material findet es in unserem Lebensalltag vielfache Verwendung. Dabei unterscheidet man die verschiedenen Gläser nicht nur nach ihrer chemischen Zusammensetzung, sondern oft auch nach der Art ihrer Bearbeitung:

  • Temperglas: Getempertes Glas ist die beste Wahl für alle, die auf Nummer sicher gehen wollen. Eine spezielle Wärmebehandlung sorgt dafür, dass sich seine Bruchfestigkeit enorm erhöht und es sowohl Stürze als auch hohe Temperaturen gut übersteht. Geht es doch einmal zu kaputt, zerfällt es eher als zu zerbrechen. Es bleiben keine Scherben mit scharfen Schnittkanten zurück und damit auch keine potenziellen Gefahrenquellen.
  • Pressglas: Gläser aus Pressglas werden mithilfe von Metallformen gefertigt, in die man zähflüssige Glasmasse einfüllt und dann in Form presst. Wird ein Glas aus verschiedenen Teilen zusammengeschmolzen, erkennt man oft eine leicht sichtbare Glasnaht. Hochwertige Pressgläser werden im Anschluss an den Produktionsprozess „feuerpoliert“ – ihre Außenwand wird mithilfe von Hitze veredelt. Das sorgt für einen schönen Glanz. Gläser aus Pressglas haben oft eine dickere Stärke, sind spülmaschinengeeignet und durch ihr höheres Gewicht sehr standfest. Sie sind perfekt für das nächste Grillfest im Garten, denn so schnell wirft sie nichts um.
  • Borosilikatglas: Den Namen hat das Glas von seinem Bor- und seinem Silikat-Gehalt bekommen, den beiden größten Anteilen an seiner Rezeptur. Entwickelt hat es der Chemiker Otto Schott in Jena, weswegen es oft auch als Jenaer Glas bezeichnet wird. Borosilikatglas besitzt eine hohe optische Qualität und ist perfekt für Laborarbeiten geeignet. Der Arzt und Mikrobiologe Robert Koch hat mithilfe eines Mikroskops mit Borosilikatlinse 1882 den Tuberkelbazillus entdeckt. Doch damit nicht genug: Borosilikatglas ist sowohl chemikalienresistent als auch temperaturbeständig. Es ist darum das perfekte Glas für Kochgeschirr und für Heißgetränke.
  • Maschinell geblasenes Glas: Im Gegensatz zu dem mithilfe eines Stempels hergestellten Pressglas, bekommt maschinell geblasenes Glas seine Form durch mehrere Luftstöße verliehen. Im Ergebnis lassen sich so auch in industriellem Maßstab sehr dünnwandige Gläser herstellen, die preislich aber weit unter ihren mundgeblasenen Pendants liegen.
  • Mundgeblasenes Glas: Erst im mundgeblasenen Glas zeigt sich das ganze Können der Glasmacherkunst. Jedes Stück ist ein Unikat, das mit viel Sorgfalt und handwerklichem Geschick gefertigt wurde. „Ich glaube, dass ein schönes Glas so viel wie möglich von dem Atem enthalten sollte, der es entstehen ließ“, sagte der französische Maler und Glasmacher Maurice Marinot. Mundgeblasene Gläser sind echte Kunstwerke auf jeder Tafel – in die Spülmaschine gehören sie daher nicht.
  • Kristallglas: Zusätze von Blei-, Barium-, Kalium- oder Zinkoxid sorgen bei Kristallglas für einen erhöhten Brechungsindex und damit für mehr Lichtdispersion: Das durch das Glas einfallende Licht wird wie bei einem Kristall in seine unterschiedlichen Farbkomponenten zerlegt. Diese Eigenschaft wird oft noch durch einen entsprechenden Schliff der Gläser verstärkt, ohne dass sie dabei ihre Transparenz und Brillanz einbüßen.

Passende Gläser für vollen Genuss. Eine kleine Glaskunde.

Für manchen ist es eine glasklare Sache, für andere eher undurchsichtig: die Wahl des passenden Glases. Je nach Getränk bieten sich mehr oder weniger geeignete Varianten an, eine auserwählte Flüssigkeit die Kehle hinabzugeleiten. Der Limonade mag es noch egal sein, womit man sie hinunterstürzt. Ein guter Wein ins falsche Gefäß gepfercht, rächt sich dagegen umgehend mit minimierter Gaumenfreude. „Rund 20 Prozent des Weingenusses hängen mit dem richtigen Glas zusammen“, schätzt die britische Weinkritikerin Jancis Robinson. Eine Annahme, die auch für Spirituosen gilt. Selbst das vermeintlich anspruchslose Bier, das sich ohne Beschwerde direkt aus der Flasche genießen lässt, soll, glaubt man der größer werdenden Craftbier-Szene, erst im richtigen Glas sein volles Bukett und Aroma entfalten können. Man möchte gar nicht daran denken, wie viel Sinnlichkeit da schon mit Plastikbechern verschwendet wurde, oder? Mit ein bisschen Gläserkenntnis können Sie das in Zukunft verhindern.

  • Wein: Die passenden Gläser für einen erlesenen Wein zu finden ist eine Wissenschaft für sich. Aber es gibt ein paar Grundregeln, an denen Sie sich orientieren können. Zuerst einmal gehört ein Wein generell in ein Kelchglas – das Halten am Stiel verhindert, dass die Wärme der Hand die Temperatur des Weins negativ beeinflusst. Weißwein wird kühl getrunken. Das passende Glas ist darum langstielig, um den Abstand von Hand zu Wein möglichst groß zu halten, und der Kelch besitzt weniger Volumen als ein Glas für Rotwein. Dieser muss „atmen“, wie man so schön sagt, also mit der Luft in Kontakt treten – damit er sein volles Aroma entfalten kann. Man trinkt ihn darum aus bauchigen, großen Gläsern, die umso größer ausfallen dürfen, je schwerer der Wein ist und je mehr Gerbstoffe er enthält. Roséwein wiederum lässt sich gut in mittelgroßen Gläsern servieren. Eine recht neue Entwicklung sind speziell ausgetüftelte Universalgläser, die jedem Wein zu seinem vollen Bouquet verhelfen.
  • Sekt: Das Glas der Wahl für Sekt, Champagner und Prosecco ist die Schaumweintulpe. Sektflöte und Champagnerschale sind zwar ebenfalls schöne Gläser, haben aber den Nachteil, dass sie eine große Oberfläche bieten – die Kohlensäure macht sich so schneller davon. Hochwertige Sektgläser bekommen bei der Herstellung einen „Moussierpunkt“. Diese erhabene oder aufgeraute Stelle am Glasboden sorgt dafür, dass die Kohlensäure besser aufperlt („moussiert“) und nach oben steigt.
  • Bier: Beim Bier kommt es wie beim Wein auf die Sorte an. Für Pils, Lagerbier oder Schwarzbier ist die klassische Biertulpe das Glas der Wahl. Leichtgewichte wie beispielsweise Kölsch machen sich in der Kölner Stange gut, da sich hier die Kohlensäure gut verteilen kann. Altbiere gehören klassisch in einen Humpen. Dünnwandige Gläser mit einem hohlen Stiel, deren Öffnung sich nach oben verjüngt, sind die perfekte Wahl für edle Craftbiere – hier können sich die Aromen vor dem Trinken richtig entfalten.
  • Whisky: Beim Whisky zählt vor allem, ob Sie ihn mit oder ohne Eis genießen wollen. Für Bourbon, der normalerweise auf Eis getrunken wird, eignen sich Tumbler mit dickem Boden und genug Platz für die Eiswürfel am besten. Bei Malt, Single Malt oder Single Grain Whisky können Sie zu kleineren Gläsern greifen.
  • Cognac: Cognac wird klassisch in großen bauchigen Gläsern serviert, in denen das Getränk durch Schwenken sein volles Aroma entfalten kann. Es sollte, wie ein Weinglas, nie mehr als zu einem Drittel gefüllt werden, wird aber im Gegensatz zu diesem am Kelch gefasst, denn die Wärme der Hand ist hier erwünscht und dient der vollen Geschmacksentfaltung.
  • Schnaps und Likör: Während Schnaps in kleinen Bechergläsern serviert wird, macht sich Likör besser in kleinen Kelchen – oft mit einer zylindrischen, nach oben hin größer werdenden Form. Eine Ausnahme bildet Grappa. Man trinkt ihn aus einem langstieligen Kelch mit bauchiger Form, damit sein Aroma zur Geltung kommt, ohne den Alkohol zu sehr zu betonen.

Sie haben die richtige Wahl getroffen? Dann ist es jetzt Zeit anzustoßen. Wussten Sie, dass diese Sitte ursprünglich eine Vorsichtsmaßnahme dagegen war, hinterhältig vergiftet zu werden? Zu Zeiten der alten Griechen, als noch aus tönernen Humpen getrunken wurde, stieß man so fest miteinander an, dass die Getränke über- und ineinander schwappten. So wollte man sich vor gezielten Mordanschlägen schützen. Alkoholvergiftungen beugte man so allerdings nicht vor, im Gegenteil: Dieselben Männer glaubten nämlich auch bei ihren Göttern nur Gehör zu finden, wenn sie genügend Promille gebechert hatten. In diesem Sinne: Prost!